Angler leisten einen eigenständigen Beitrag zur Umsetzung der EU-Aalverordnung.

Neben Wolf, Kranich und Rotbauchunke gibt es in unserem Land auch noch lautlose Botschafter der Natur, die an der Peripherie des ministeriellen Blickfeldes gelegen, nur bedingte mediale und finanzielle Zuneigung genießen. Nicht, dass die Bedrohungen für ihren Fortbestand gering wären, aber neben den Mitteln der Fischereiabgabe, die sich zum Großteil aus den Abgaben der Angler speist und den privaten Geldern der organisierten Angler und Fischer, bleibt das Füllhorn der staatlichen Hilfen offenbar prestigeträchtigeren Artenschutzprogrammen vorbehalten.

    

Bild: Gerhard Jarosz; Farmaale werden zum Besatz vorbereitet

Schon vor über fünfzehn Jahren haben die Angler die Probleme beim Europäischen Aal erkannt und gemeinsam mit der Wissenschaft Ursachen benannt und nach Lösungen gesucht. Bei der Bestandssicherung sollte es aus Sicht der Angler nicht bei Absichtserklärungen und Sonntagsreden bleiben. Da sie ein ökonomisches Interesse an dauerhaft nutzbaren Aalbestände haben, trägt der parallele Schutz auch den notwendigen langen Atem in sich. Ein Baustein ist der Besatz mit Farmaalen. Farmaale sind Jungfische, die vor einigen Jahren als Glasaale im Winter an der Atlantikküste abgefischt und in Aalfarmen für den Transport übers Land herangezogen werden. Diese Maßnahmen sind wichtig, um die Bewirtschaftungsziele der Aalmanagementpläne für die einzelnen Flussgebiete zu erfüllen. In Zahlen gefasst sind das in diesem Jahr 1940 kg Farmaale, oder ca. 258.000 Jungaale mit einem durchschnittlichen Gewicht von 7,5 g, in einem Gegenwert von fast 70.000 Euro.

Bild: Gerhard Jarosz; schonend werden die jungen Aale von Mitgliedern des Halleschen Anglervereins entlang des Ufersaums der Saale ausgebracht

Diese wurden am vergangenen Mittwoch geliefert und von den Vereinen in die mit der Elbe verbundenen Gewässer schonend eingesetzt. Damit leisten die Angler einen unschätzbaren Beitrag zur Auffüllung der Aallaicherbestände.

Darüber hinaus haben die Angler auch noch 3.500 kg Aale, die aus den privaten Portemonnaies bezahlt wurden, am vergangenen Sonnabend in die Gewässer unseres Verbandes entlassen. Diese Verpflichtung entspringt dem Hegeauftrag, der in der Erhaltung des historischen Artenspektrums wurzelt.

Bild: Bernd Manneck; nach non-stop Transport aus Spanien weisen die gelieferten Farmaale eine hohe Vitalität und gutes Aussehen auf

Der Europäische Aal, der zu den Langdistanzwanderfischen zählt läuft Gefahr, aufgrund der geheimnisvollen Lebensweise, fast unbemerkt von der Landkarte zu verschwinden. Dabei ist der Lebenszyklus einer der spektakulärsten im Reich der Fische. Spannende Wanderwege von bis zu 7000 km, der erstaunliche Wandlungsprozess in den verschiedenen Lebensabschnitten, bis hin zu Ihrer bis heute nicht beobachteten Vermehrung und zum Tod, geben noch immer viele Rätsel auf.

Auch deshalb macht es für unseren Verband Sinn, über das Beobachten hinaus, sich für ihren Erhalt nicht nur verbal, sondern mit konkreten Programmen einzusetzen. GJ