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 Verbandsjugendtreffen des LAV Sachsen-Anhalt im Meeresangeln

Freitag, der 23. Oktober 2009, es ist nasskalt und gegen 9:00 Uhr müsste sich von der Geschäftsstelle des Landesanglerverbandes in Halle/Saale ein halbvoller Reisebus mit erwartungsvollen Kindern und Teenagern in Bewegung gen Magdeburg setzen, wird er wohl auch getan haben, doch dazu später mehr. Ich liege zu dieser Zeit noch im warmen Bett und werde mich noch 2 – 3 Mal rumdrehen, denn ich steige mit der anderen Hälfte an ebenso erwartungsvollen Junganglern erst in Magdeburg zu und habe somit noch etwas Zeit.

Aber vielleicht sollte ich mich noch kurz vorstellen. Ich bin Frank und werde mit Uli Rienäcker, Uwe Potschka und Uwe Tempel den Tross als Betreuer begleiten. Bei meiner Ankunft am alten Ernst Grube Stadion in Magdeburg, heute ja MDCC Arena, warten schon einige Eltern mit ihren Kindern dort und nach und nach wird die Truppe immer größer. Mit einem heißen Kaffee vom Backstand warten wir auf den Bus und fast werden Wetten abgeschlossen, wie viele "Stunden" er wohl heute wieder zu spät kommt und uns warten lässt.

Doch welch Überraschung, fast auf die Minute genau rollt er in Magdeburg ein, am Steuer sitzt Holger, der uns schon im letzten Jahr gefahren hatte.
So wurde nun all das Gepäck, die Ruten, Koffer, Taschen und Rücksäcke verstaut. Nach dem jeder seinen Platz gefunden hatte und die Teilnehmerliste ein letztes Mal abgehakt wurde, ging es los, wie jeden Herbst nach Kiel an die Deutsche Bucht zum Verbandsjugendtreffen im Meeresangeln auf Dorsch & Co.

Im Bus dann die üblichen Begrüßungsworte, Verhaltensregeln, Tagesabläufe und die Frage, wer wohl zum ersten Mal mit zum Meeresangeln fährt. Der halbe Bus reckt die Hände nach oben und mir entfleucht die Bemerkung mit den zahlreichen "Neufütterern". Aber irgendwie hat es wohl jeden noch so eingefleischten Meeresangler schon einmal erwischt, und so wollte ich das gar nicht so laut sagen, denn auch ich halte mich die nächsten 3 Tage krampfhaft an meiner Packung Reisetabletten fest!

Mit den gesetzlich geforderten Pausen an den üblichen Rasthöfen gelangten wir schließlich über die A2, die A7 und die A215 an unser Ziel, die Jugendherberge im Stadtteil Kiel Gaarden hoch über dem Hafen. Die Zimmer wurden zugeteilt & belegt, der Bus ausgeladen, Betten bezogen und dann gab es endlich was zu essen, Seelachsfilet – wie passend!

Nach dem Abendessen folgte nun die vorbereitende Bastelstunde mit dem Referenten für das Meeresangeln – Uwe Potschka. Uwe zeigte den interessierten Kindern u.a. den Bau von Pilkvorfächern für die nächsten beide Tage und stellte dazu gleich das passende Material zur Verfügung.

Viele nutzen die Gelegenheit zum Bau und träumten dabei sicher schon von den Fischen, die an die neuen Montagen anbeißen würden. Uwe gab auch wichtige Tipps zum Pilken in An- und Abdrift, da ja viele zum ersten Mal dabei waren.

Den Rest des Abends verbrachte man dann im Zimmer oder verabschiedete sich gruppenweise in die Stadt, wenn man alt genug war. Gegen 22:00 Uhr sollte dann theoretisch das Licht ausgehen, doch zwischen Theorie und Praxis liegen eben auch in Kiel oftmals Welten.

So endete diese Nacht dann auch für manchen, nach viel zu wenig Schlaf, bereits um 6:00 Uhr wieder im Bus. Die kurze Fahrt zum Hafen nach Laboe verging ohne Zwischenfälle und beim Geschrei der Möwen zog man sich die warme Angelkleidung an, nahm sein Gepäck und ging zu unserem Schiff, der MS Langeland, die ruhig im Hafen lag.

Holger, unser Busfahrer hatte es nun eilig wieder zurück in die Jugendherberge zu kommen. Sein Bett war sicher noch warm und er wollte sich natürlich wieder hinlegen.

Es duftete schon nach frischen Brötchen und Kaffee, als es um 7:30 Uhr hieß "Leinen los" und bei relativ warmen und ruhigem Wetter verließen wir Kiel im Schein von zahlreichen Lichtern der Seezeichen, um irgendwo in der Deutschen Bucht unsere Kreise zu ziehen.

Im anbrechenden Tag bauten alle ihre Ruten auf, und schon bald nach dem Frühstück ertönte zum ersten Mal der ersehnte Hupton zum Auswerfen der Pilker.

Die nächsten Stunden waren nun geprägt von Ruten raus - Ruten rein, Pilker hoch - Pilker runter, Fisch raus - Fisch rein. Wer auf zahlreiche Dorsche gehofft hatte, wurde enttäuscht, denn die Wittlinge sollten unseren Hauptfisch stellen.

Die Betreuer hatten sich im Vorfeld geeinigt mit Naturködern zu angeln, um den Jungen und Mädchen auch diese Angelmethode etwas näher zu bringen.

Vor der Abfahrt hatte man im kleinen Angelladen noch schnell Wattwürmer besorgt, und so machte nun auch ich erstmals mit dem Naturköderangeln Bekanntschaft.
Nicht ganz erfolglos, denn neben den Wittlingen zeigten sich an den richtigen Stellen auch die Plattfische in Beißlaune.

Mal auf der "faulen", mal auf der "fleißigen" Seite angelnd, verging die Zeit bis zum mittäglichen Wechsel wie im Fluge.
Jetzt hieß es mit allen Ruten, Taschen und den Fischen den Platz zu wechseln, zur Vermeidung eines Verkehrskollapses an Bord streng im Uhrzeigersinn, bevor es dann zum Mittagessen ging.

Es gab Bouletten, Würstchen oder Erbsensuppe zum satt werden. Zum Greifen nahe passierten uns große Frachtschiffe, ein Großsegler und die riesigen Fähren von Scandline und Colorline.

Auf den neuen Angelplätzen setzte sich das fort, was früh begonnen hatte, zu kleine Dorsche, Wittlinge und Schollen. Doch irgendwann endet jeder Angeltag mal, und so versorgte jeder nun seine Fänge auf der Rückfahrt, Filets wurden geschnitten & eingetütet und auch die uns begleitenden Möwen bekamen ihren Teil.

Jeder hatte heute wohl seinen Fisch gefangen und war mehr oder weniger zufrieden, aber in jedem Fall erschöpft.

So ein Tag auf See kann doch auch ganz schön schlauchen.

Die Rückfahrt in die Jugendherberge über plante man schon den weiteren Abend. Die Fische wurden eingefroren und nach einer warmen Dusche und dem Abendessen bot Uwe Potschka nochmals eine Bastelstunde an, die gerne angenommen wurde.
Danach ging es wieder in die Stadt oder man blieb auf dem Zimmer, um Schlaf nachzuholen, zu fachsimpeln oder sich sonst irgendwie zu beschäftigen. Diese Nacht bot uns ein willkommenes Geschenk - 1 Stunde gratis durch die Zeitumstellung, wenn da nur nicht das nächtliche Aufstehen um 3:00 Uhr wäre, um die Uhr vorschriftsmäßig auf 2:00 Uhr zurückzustellen...

So traf man sich am nächsten Morgen nach einer Stunde Schlaf mehr wieder am Bus und startete zur zweiten Ausfahrt. Das Wetter war etwas trüber, aber immer noch erträglich, ein Umstand der manchem sicher sehr gelegen kam. Der Wind wehte von der Landseite, und so gab es tatsächlich keine Opfer der Seekrankheit zu beklagen. Die Fänge gestalteten sich wie am ersten Tag, wenig Dorsch, viel Wittling, einige Platt-fische. An beiden Tagen boten lediglich ein Hering, ein Hornhecht und eine fast gefangene Meerforelle etwas Abwechslung.
Als es dann gegen 14:45 Uhr wieder zum Rausholen der Ruten hupte, war es zugleich auch der Abpfiff für das diesjährige Meeresangeln der Verbandsjugend. Wieder wurden die gefangenen Fische versorgt, eingetütet und das Angelgerät eingepackt.
Bei unserer Ankunft im Hafen wurden wir aufmerksam von den anwesenden sonntäglichen Besuchern gemustert. Noch einmal ging es nun zurück in die Jugendherberge, wo wir glücklicherweise noch in unsere Zimmer konnten, um zu Duschen und in Ruhe unsere Sachen zu packen.

Langsam hieß es nun Abschied zu nehmen, die Zimmer wurden geräumt, gereinigt, die Betten abgezogen und das Gepäck zum Bus gebracht, wo alles streng nach dem Prinzip "Magdeburg links, Halle rechts" verstaut wurde.

Anders als wie im letzten Jahr hatte diesmal auch jeder Teilnehmer sein Paket mit frischem Ostseefisch dabei, wenn es auch nicht unbedingt die erwarteten Großdorsche waren. Egal, Fisch soll ja sehr gesund sein, und so werden wohl zahlreiche Wittlinge und die wenigen Dorsche schon bald in den Pfannen brutzeln. Der größte Dorsch maß übrigens 76 cm, die größte Scholle 38 cm.

Nach der üblichen Suche mindestens eines Zimmerschlüssels bei der Abgabe an der Rezeption und dem dann unvermeintlichen Wiederausladen des Gepäcks traf man sich zur Auswertung der beiden Tage ein letztes Mal in der großen Halle, bevor es mit Hähnchenschnitzel – Rosenkohl - Kartoffeln & Pudding ein letztes Abendessen in der Jugendherberge und somit die notwendige Wegzehrung gab.
Um 19:00 Uhr setzte sich unser Bus mit 30 Minuten Verspätung in Bewegung und der Eine oder Andere erlebte den Ortsausgang schon nicht mehr in wachem Zustand! Die Staus lagen zum Glück, wie auch schon auf der Hinfahrt, alle in der Gegenrichtung, und so kamen wir sowohl vor, als auch nach dem Elbtunnel gut voran.

Haben dem Kapitän der Langeland jeden Morgen und Abend die zahlreichen Seezeichen den sicheren Weg durch die Ostsee gewiesen, so wies auch uns in dieser Nacht noch einmal ein Leuchtzeichen den rechten Weg.

Irgendwie ist auch dies schon Tradition geworden und bildete den letzen Höhepunkt dieses Wochenendes! Die Belegschaft kam bei diesem unerwarteten Besuch, und den Massen an georderten Ham- und Cheeseburgern, Fritten und Cola ganz schön ins schwitzen.

Mit der üblichen Verspätung kamen wir schließlich Schlag Mitternacht wieder an der MDCC Arena in der Landeshauptstadt Magdeburg an, wo müde Eltern ihre Sprösslinge empfingen.
Sachen und Fische wurden aus dem Bus aus- und in die PKW eingeladen, die sich dann in alle Teile des nördlichen Sachsen-Anhalts auf den Heimweg machten.

Der Parkplatz lehrte sich zusehends und auch der Bus setzte sich nach der allgemeinen Verabschiedung zu seinem endgültigen Ziel – Halle wieder in Bewegung. Gegen 01:30 Uhr wird er wohl dort angekommen sein, doch da lag ich schon wieder in meinem Bett und hatte mich 2 - 3 Mal rumgedreht.

Danke an alle, die zum guten Gelingen beigetragen haben! Ein Wehmutstropfen bleibt für mich als Verantwortlichen, denn noch immer gibt es leider Vereine, welche es nicht verstanden haben, dass dies eine Auszeichnungsveranstaltung für die Jungen & Mädchen ist, genau wie das Verbandsjugendtreffen im Sommer eines jeden Jahres. Da sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Vereine auch die Teilnehmergebühren für ihren Nachwuchs tragen! Ein Jahr bleibt nun für die Verantwortlichen in den Vereinen Zeit, darüber vielleicht mal nachzudenken!

Frank Preetz
Vorsitzender der Verbandsjugend des LAV Sachsen-Anhalt e.V.


Förderhinweis: Gefördert durch das Land Sachsen – Anhalt, mit Mitteln der Fischereiabgabe.
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